Forum - Tag 3
Forum - Tag 3
Collective Impact
Wiese e.G.
Programm
20. Juni, 10.00 - 15.00 h (Akkreditierte Fachbesucher:innen & Publikum)
Der Einlass für alle Fachbesucher:innen erfolgt per Akkreditierungs-Badge und vorbehaltlich verfügbarer Plätze. Bitte beachte, dass der Einlass nach dem Prinzip "first come, first served“ organisiert ist. Wir empfehlen daher, frühzeitig vor Ort zu sein.
Das interessierte Publikum kann Tickets für die Veranstaltungen des Forums am 20. und 21. Juni erwerben. Die Sessions sind jeweils direkt mit dem Webshop verlinkt.
Für alle Workshops bitten wir um eine vorherige Anmeldung spätestens am Vortag, da die Plätze hier begrenzt sind. Melde dich dafür bitte per E-Mail bei: benjamin@tanztriennale.de
10.00 - 12.00 h
Session 17 | Tanzende Körper in demokratischer Aushandlung
Workshop & Podiumsgespräch
Theatersaal
Wie kommen wir in Zeiten der Unsicherheit zusammen? Diese Session beginnt mit einem 60-minütigen körperorientierten Workshop, gemeinsam geleitet von Ellen Steinmüller und Bianca Kruppa. Der Workshop versteht Tanz als einen lebendigen Raum demokratischer Aushandlungsprozesse — zwischen Körpern, Unterschieden, Gemeinsamkeiten und geteilten Absichten. Durch kreative Bewegung üben wir Zuhören und Reagieren, Behaupten und Nachgeben, Führen und Folgen. Zwischen individueller Handlungsfähigkeit und kollektivem Handeln entsteht eine temporäre Form des Zusammenseins, die eine gemeinsame körperliche Erfahrung schafft und die anschließende Diskussion vorbereitet. An dieser nehmen Mia Habib und Noé Valdes Vega teil; moderiert wird das Gespräch von Sevi Bayraktar.
Im Gespräch erläutern die Beteiligten, wie sie ihre künstlerischen und choreographischen Praktiken einsetzen, um Räume kollektiver Handlungsfähigkeit und demokratischen Austauschs zu schaffen. Sie untersuchen, wie choreographische Scores Bedingungen für gemeinsames Schaffen über unterschiedliche Gemeinschaften und Kontexte hinweg erzeugen können, und wie bereits die Entscheidung darüber, wer zu partizipativen Praktiken eingeladen wird, ein bewusster Akt der Umverteilung von Macht und Zugang ist. Gemeinsam reflektiert die Gruppe darüber, wie die im Studio geübten Aushandlungsprozesse den Alltag beeinflussen können, und fragt danach, welche Verantwortung Künstler:innen und Institutionen tragen, demokratische Werte in einer zunehmend unter Druck geratenen Welt vorzuleben, zu schützen und neu zu denken.
Der Workshop wird gemeinsam geleitet von Dr. des. Ellen Steinmüller (Community-Dance-Künstlerin, Choreographin) und Bianca Kruppa (Tanzkünstlerin, Vermittlerin). Im Anschluss folgt eine Diskussion mit Mia Habib (Tänzerin und Choreographin, designierte Direktorin von Carte Blanche – The Norwegian National Company of Contemporary Dance) sowie Noé Valdes Vega (Tänzer und Choreograph).
Moderation: Prof. Dr. Sevi Bayraktar (Tanzwissenschaft, Musik und Performance im globalen Kontext, Hochschule für Musik und Tanz Köln)
Entwickelt in Kooperation mit Aktion Tanz, dem bundesweiten Verband für Tanz in Bildung und Gesellschaft, der inklusiven und partizipativen Tanz durch Vernetzung, Teilhabe und Wissensaustausch fördert.
10.00 - 12.00 h
Session 18 | Produzieren und Kuratieren mit Künstler:innen mit Behinderung
Proberaum EG
Die Rollen von Produzentin und Kuratorin im Tanz sind stets relational – in der Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Kolleginnen mit Behinderung erfordert diese Beziehung jedoch besondere Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, etablierte Arbeitsweisen zu hinterfragen. Diese Session untersucht, was es in der Praxis bedeutet, Arbeiten zu produzieren und zu kuratieren, die Künstlerinnen mit Behinderung in den Mittelpunkt stellen: wie der kollaborative Prozess selbst neue Kompetenzen im Produzieren verlangt – von der Planung von Barrierefreiheit bis hin zu dramaturgischer Sensibilität; wie Zusammenarbeit so strukturiert werden kann, dass Handlungsräume geteilt werden; und wie Produzentinnen sich in einem Fördersystem bewegen, das die tatsächlichen Kosten von Zugänglichkeit und inklusiver Praxis oft nicht berücksichtigt.
Ausgehend von den Erfahrungen von Dramaturginnen, Produzentinnen und Künstlerinnen, die in Europa arbeiten, untersucht die Session, welche strukturellen, finanziellen und alltäglich-professionellen Veränderungen das Feld noch braucht, um der gesamten Bandbreite der Arbeiten Raum zu geben, die Künstlerinnen mit Behinderung entwickeln.
Gäste: Chiara Bersani (Performancekünstlerin, Choreographin und Kuratorin), Giulia Traversi (Managerin und Kuratorin), Noa Winter (Kurator:in und Dramaturg:in)
Moderation: Dr. Kate Brehme (Kuratorin, Co-Strategische Direktorin von Making a Difference)
13.00 - 15.00 h
Session 19 | Tanz, Gesundheit und öffentlicher Raum – wo kann ein Körper existieren, wenn Sprache, Erinnerung und Selbstbestimmung verschwinden?
Filmpremiere & Gespräch
Alabamakino
Wir laden zur Premiere von „Martyre – I Swear on My Mother’s Life“ ein, einem dokumentarisch-choreographischen Projekt über Marie-Bernadette, 74 Jahre alt, die in einem Pflegeheim mit Alzheimer lebt und ihre Fähigkeit zu sprechen nahezu vollständig verloren hat. Dennoch beginnt ihr Körper zu sprechen: durch Gesten, durch Bewegungen – in Tänzen, die nach ihrer Diagnose entstehen, obwohl sie zuvor nie Tanz praktiziert hat.
Ihre Tochter, selbst Choreographin, verfolgt diesen unerwarteten Ausdruck und macht ihn zum Ausgangspunkt einer filmischen Recherche. Was zunächst als stille Bewegung im Pflegeheim beginnt, weitet sich aus: in Flure, auf Straßen, in Cafés und öffentliche Räume – der Körper erschließt sich Orte, an denen er scheinbar nicht mehr verortet ist.
Im Anschluss an die Vorführung spricht die Regisseurin Malika Djardi mit der Neuropsychologin Dr. Ramuné Dirvanskienė sowie Roberto Casarotto über den Film und öffnet den Blick auf größere Fragen zu Tanz, Pflege, kognitiver Gesundheit und öffentlichem Raum.
Die Diskussion untersucht, wie Tanz sich in den Zwischenräumen traditioneller Gesundheitssysteme bewegt, insbesondere im Zusammenhang mit Erkrankungen wie Demenz und Depression. Es geht darum, was Körper in Bewegung und Ausdruck versetzt, was sie befreit und wie spontaner Tanz im öffentlichen Raum zu einem Akt werden kann, der Präsenz und Zugehörigkeit zurückfordert.
Gäste: Malika Djardi (Choreographin und Regisseurin), Roberto Casarotto (Co-Direktor von Aerowaves), Ramuné Dirvanskienė (Neuropsychologin an der Lithuanian University of Health Sciences)
Moderation: Sara Houston (Professorin für Tanzwissenschaft und Community Engagement an der University of Roehampton)
13.00 - 15.00 h
Physical Workshop | Counter Balance Residency Sharing – Amapiano und südafrikanische Kultur
Theatersaal
Offen für alle
Die im Rahmen der Tanztriennale-Residenz Counter Balance tätigen Künstler:innen Foxy und Sizwe031 laden zu einem gemeinsamen Raum für Austausch, Musik und Bewegung ein, der sich um Amapiano und südafrikanische Kultur dreht.
Ausgehend von einem kurzen Vortrag der südafrikanischen Performerin und Forscherin Balindile ka Ngcobo untersucht der Workshop Amapiano jenseits des Dancefloors – mit Fokus auf Kultur, Repräsentation und die Erfahrung südafrikanischer Performance-Praxis in europäischen Kontexten.
Der zweite Teil besteht aus einem Bewegungsworkshop, geleitet von Keigh Gee. Dabei werden Grundlagen, rhythmische Strukturen und der gemeinschaftliche Geist der Amapiano-Kultur vermittelt, bevor in eine gemeinsame choreographische Arbeit übergegangen wird.
Gäste: Balindile ka Ngcobo (Performerin, Theatermacherin und Autorin), Keigh Gee (Tänzer und Performer)
Geleitet von: Foxy und Sizwe031 (Gründer von Junkpark, künstlerisches Duo der Tanztriennale-Residenz Counter Balance)
15.30 - 16.30 h
Präsentation I Counter Balance Research Residency
"Authors" von Aoife McAtamney und Lucy O'Donnell
Bücherhalle
Was passiert, wenn Performance und Literatur im Raum einer Bibliothek aufeinandertreffen? Die irische Musikerin und Choreografin Aoife McAtamney und die leitende Bibliothekarin der Dubliner Lexicon Library, Lucy O'Donnell, waren im LOFFT in Leipzig zu Gast, um Authors zu entwickeln — ein interdisziplinäres Projekt, das die Schnittstellen von Musik, Bewegung und dem geschriebenen Wort erforscht.
Die Bibliothek und ihre Gemeinschaft von Leser:innen dienen dabei sowohl als Inspirationsquelle als auch als künstlerischer Raum. Mit Authors erstmals außerhalb Irlands arbeitend, bot diese Counter Balance-Residenz die Gelegenheit, neue Ansätze zu erkunden und der Frage nachzugehen, was die Welten von Tanz und Literatur — und die Menschen, die sie bewohnen — miteinander verbindet.
Diese Präsentation gibt Einblicke in ihren Arbeitsprozess, in die Fragen und Erkenntnisse, die während ihrer Recherche in Deutschland entstanden sind, sowie in mögliche nächste Schritte des Projekts.
Mit: Aoife McAtamney (Musikerin und Choreographin) und Lucy O’Donnell (Bibliothekarin)




